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Asien ist mehr als nur ein Markt – hier entsteht die Zukunft der Mobilität, und Autoneum ist Teil dieses Wandels. Aus dieser gemeinsamen Überzeugung heraus erläutern CEO Eelco Spoelder und Andreas Kolf, Head Business Group Asia, wie das Unternehmen seine Transformation in der dynamischsten Automobilregion der Welt vorantreibt. Im exklusiven Interview legt Eelco Spoelder dar, warum Asien für Autoneums Unternehmensstragie von zentraler Bedeutung ist und wie globale Ziele mit regionalen Chancen in Einklang gebracht werden. Andreas Kolf gibt Einblicke, wie diese Vision im Jahr 2025 in der Praxis umgesetzt wurde – etwa durch den Ausbau der lokalen Präsenz und die Entwicklung von Innovationen, die auf die Märkte in der Region zugeschnitten sind. Gemeinsam zeigen sie auf, wie Autoneum globale Marktführerschaft mit lokaler Agilität verbindet, um Wachstum zu erzielen, Nachhaltigkeit zu fördern und die Zukunft der Mobilität in China, Indien und darüber hinaus zu gestalten.
Warum ist Asien ein strategischer Wachstumsmarkt für Autoneum?
Eelco Spoelder: Asien ist der grösste und am schnellsten wachsende Automobilmarkt weltweit, wobei China und Indien die Wachstumstreiber sind. Allein im Jahr 2025 wurden in China mehr als 34,5 Millionen Fahrzeuge¹ produziert – ein Anstieg von über 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieses Wachstum wurde vor allem von Marken wie Geely, Chery und BYD generiert sowie von einer starken Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und fortschrittlichen Fahrzeugfunktionen getragen. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch staatliche Förderprogramme und eine rasch wachsende Mittelschicht. Für Autoneum ist Asien nicht nur ein Markt, sondern ein strategischer Wachstumsmotor für künftiges Geschäft. Unser Anspruch ist klar: Mittelfristig sollen 20 Prozent des Gruppenumsatzes in Asien erwirtschaftet werden. Dies erfordert entschlossene Schritte, darunter eine stärkere lokale Produktion sowie Engineering‑ und Produktlösungen, die gezielt auf die regionalen Anforderungen zugeschnitten sind.
Welche Rolle spielt die Region innerhalb Autoneums globaler Unternehmensstrategie?
Spoelder: «Globales Wachstum beschleunigen» ist eine der sechs Säulen, auf denen Autoneums «Level Up»-Strategie von Autoneum beruht. Asien kommt hierbei eine zentrale Bedeutung zu: Die Region ermöglicht uns eine Diversifizierung unserer Kundenbasis und eine grössere Nähe zu den OEMs, die hohe Stückzahlen produzieren – wie etwa die chinesischen Marken, die die lokalen Märkte dominieren. Mit der Ausweitung unserer Präsenz durch Akquisitionen und neue Werke haben wir unsere Resilienz gegenüber Marktschwankungen in Europa und Nordamerika gestärkt. Zudem ist Asien ein Zentrum für Innovationen, insbesondere in den Bereichen Elektromobilität und nachhaltige Materialien. Dies steht im Einklang mit unserer langfristigen Vision, weltweit führend bei Lösungen für das Akustik- und Wärmemanagement zu sein.
Welche Ziele haben wir uns für Asien bis 2030 gesetzt?
Spoelder: Unser mittelfristiges Ziel ist es, 20 Prozent des Gruppenumsatzes in Asien zu erwirtschaften. Das erfordert eine überdurchschnittliche Profitabilität, den Ausbau unseres Kundenportfolios über alle führenden OEMs im Personenwagen‑ und Nutzfahrzeugbereich hinweg sowie die Konsolidierung der akquirierten Werke in China zur Steigerung der Effizienz. Gleichzeitig nutzen wir unser Research & Technology Center in Shanghai, um kostenoptimierte und innovative Lösungen zu entwickeln. Nachhaltigkeitsziele – darunter Zero‑Landfill‑Pilotprojekte und eine erhöhte Recyclingquote – sind ebenfalls fester Bestandteil unserer strategischen Roadmap.
Welche Aktivitäten waren für unseren Erfolg in Asien am wichtigsten?
Andreas Kolf: Ein zentraler Baustein unserer Wachstumsstrategie in Asien sind strategische Akquisitionen. Im Jahr 2025 schlossen wir die Übernahme der Jiangsu Huanyu Group ab, einem führenden Zulieferer in China. Dadurch konnten wir unsere Kundenbasis bei inländischen OEMs unmittelbar erweitern. Ausserdem finalisierten wir die Akquisition von Chengdu Yiqi‑Sihuan, die unsere Präsenz in China weiter stärkte und zu einem signifikanten Umsatzwachstum führte – verbunden mit neuen Geschäftsmöglichkeiten mit Nutzfahrzeug‑OEMs sowohl in China als auch auf globaler Ebene. Diese Übernahmen gehen über den reinen Marktzugang hinaus: Sie verschaffen uns wertvolle Einblicke in lokale Kundenpräferenzen und regulatorische Anforderungen und ermöglichen es uns, Lösungen gezielt auf die regionalen Bedürfnisse zuzuschneiden. Gemeinsame Entwicklungsprojekte mit regionalen OEMs beschleunigen zudem die Innovationskraft, insbesondere in den Bereichen nachhaltige Materialien und Batterieschutzsysteme. Durch die Verbindung der globalen Expertise von Autoneum mit lokalem Know‑how sichern diese Akquisitionen unsere Wettbewerbsfähigkeit und Agilität in einem sich rasch wandelnden Markt. Gemeinsam haben sie unsere Position als globaler Marktführer und als zweitgrösster Anbieter in China gefestigt.
Wie unterscheiden sich die Anforderungen unserer asiatischen Kunden von denen anderer Märkte?
Kolf: Asiatische Kunden, insbesondere in China und Indien, legen Wert auf Kosteneffizienz, schnelle Lieferung und lokal angepasste Innovationen. Im Gegensatz zu den europäischen Märkten, wo Premium-Features dominieren, suchen asiatische OEMs nach Lösungen, die Leistung und einen erschwinglichen Preis in Einklang bringen. Ein weiterer Schwerpunkt ist Nachhaltigkeit, die durch Vorschriften und das Bewusstsein der Verbraucher weiter an Bedeutung gewinnt und eine hohe Nachfrage nach leichten, recycelbaren Materialien schafft. Das Tempo der Produktentwicklung ist höher, sodass Lieferanten sich schnell anpassen und flexible Lösungen anbieten müssen. Elektrofahrzeuge stellen ein wichtiges Wachstumssegment dar, wobei fortschrittliche Wärmemanagement-Systeme zur Gewährleistung der Batteriesicherheit erwartet werden.
Im Allgemeinen arbeiten diese Kunden mit bewährten Systemen, die den Standards der Automobilindustrie entsprechen. In bestimmten asiatischen Ländern ist die Kostensensibilität jedoch höher, die Entwicklungszyklen sind kürzer und die Erwartungen an technische Dienstleistungen anspruchsvoller. Diese besonderen Anforderungen stellen uns vor die Herausforderung, kontinuierlich innovativ zu sein und gleichzeitig wettbewerbsfähige Preise und operative Flexibilität bieten zu müssen.
Wie gehen wir mit lokalen Trends wie E-Mobilität oder Nachhaltigkeit um?
Kolf: In Bezug auf E-Mobilität und Nachhaltigkeit verfolgt Autoneum in Asien einen proaktiven und integrierten Ansatz. Wir arbeiten eng mit den OEMs zusammen, um leichte, recycelbare Materialien zu entwickeln, die das Fahrzeuggewicht reduzieren und die Energieeffizienz verbessern. Unser Research & Technology Center in Shanghai spielt eine zentrale Rolle bei der Anpassung globaler Innovationen an lokale Anforderungen, darunter Wärmemanagement-Systeme für EV-Batterien und akustische Lösungen für geräuscharme elektrische Antriebe.
Elektrifizierung und Nachhaltigkeit rücken zunehmend in den Fokus, insbesondere in China, wo der Anteil der Elektrofahrzeuge an der Automobilproduktion mittlerweile bei über 70 Prozent liegt. Als Reaktion darauf intensivieren wir unsere Aktivitäten zur Vermarktung unserer Produkte für den Bereich New Mobility, wie zum Beispiel Frontkofferraum, E-Motor-Kapselungen oder Batteriedeckel und -schutzschilde, um dieser Marktveränderung gerecht zu werden. Nachhaltigkeit ist durch energieeffiziente Produktionsprozesse, Initiativen zur Abfallreduzierung, aber auch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energiequellen, darunter Sonnenkollektoren in Werken in ganz Asien, fest in unseren Betriebsabläufen verankert. Darüber hinaus halten wir uns an regionale Vorschriften und bieten zum Beispiel Monomaterial-Lösungen an, die eine Kreislaufwirtschaft unterstützen.
Indem wir technologische Innovation mit ökologischer Verantwortung verbinden, stellen wir uns der doppelten Herausforderung von Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit. So stärken wir unsere Wettbewerbsposition in der sich schnell wandelnden Automobilbranche Asiens.
Können Sie Beispiele für erfolgreiche Produktanpassungen in China, Indien oder Südostasien nennen?
Kolf: Ein gutes Beispiel ist die Anpassung unserer gewichtsoptimierte Teppichtechnologie für OEMs in China, wo Kosteneffizienz und Recyclingfähigkeit von entscheidender Bedeutung sind. Wir haben das Produkt so überarbeitet, dass der Materialverbrauch reduziert wird, ohne die akustische Leistung zu beeinträchtigen – und damit erhebliche Einsparungen für unsere Kunden realisiert.
Über regionale Anpassungen hinaus haben wir aber auch globale OEM-Strategien beeinflusst. So haben wir beispielsweise einen nordamerikanischen OEM in China davon überzeugt, anstelle eines herkömmlichen Kunststoffteils einen Frontkofferraum aus unserer proprietären Ultra-Silent-Technologie zu verwenden. Dadurch wurden Nachhaltigkeit und Leistung verbessert. In ähnlicher Weise haben wir bei einem neuen chinesischen OEM diese Technologie für eine Radhausverkleidung verwendet, um deren Gewicht zu reduzieren und die Funktionalität zu verbessern.
Diese Beispiele unterstreichen die Fähigkeit von Autoneum, globale Technologien an lokale Anforderungen anzupassen und gleichzeitig Innovation und Nachhaltigkeit voranzutreiben. So festigen wir unseren Ruf als schnell reagierender und vertrauenswürdiger Partner.
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Asien ist nicht nur ein Schwerpunkt, sondern unser Sprungbrett in die Zukunft.
CEO Eelco Spoelder und Andreas Kolf, Head Business Group Asia
Was sind die grössten Herausforderungen beim Eintritt oder der Expansion in Asien?
Spoelder: Der Ausbau unseres Geschäfts in Asien bringt verschiedene Herausforderungen mit sich, wie etwa den intensiven Wettbewerb mit lokalen Zulieferern, komplexe regulatorische Anforderungen und schwankende wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die Navigation durch unterschiedliche kulturelle und geschäftliche Gepflogenheiten erfordert fundierte lokale Fachkenntnisse und ein gutes Beziehungsmanagement. Eine resiliente Lieferkette ist entscheidend, da sich Störungen auf Lieferzeiten und Kostenstrukturen auswirken können.
Zudem erfordert das rasante Tempo des technologischen Wandels kontinuierliche Innovationen, um an der Spitze zu bleiben. Wettbewerbsfähigkeit bei den Kosten, kürzere Vorlaufzeiten bei der Fahrzeugentwicklung, harte Geschäftsbedingungen und häufige Änderungen in der Fahrzeugplanung erhöhen die Komplexität zusätzlich. Unsere starke Marktposition in Kombination mit unseren lokalen Wurzeln eröffnet uns jedoch grosse Chancen in diesem wettbewerbsintensiven Umfeld.
Trotz dieser Herausforderungen ermöglicht uns die Strategie von Autoneum, globale Standards mit lokaler Agilität zu verbinden, Hindernisse zu überwinden und Wachstumschancen zu nutzen.
Welche Chancen sehen Sie hinsichtlich Marktvolumen und Kundenstruktur?
Spoelder: Als Branchenführer wollen wir unsere Marktanteile weltweit weiter ausbauen. Asien bietet insbesondere für Autoneum aussergewöhnliche Chancen – getragen von der schieren Grösse des Marktes und dem sich beschleunigenden Wandel hin zur Elektromobilität. Allein auf China entfallen mehr als 30 Prozent der weltweiten Neuwagenproduktion, was eine starke Nachfrage nach fortschrittlichen thermischen und akustischen Lösungen erzeugt. Auch der indische Automobilmarkt wächst dynamisch, begleitet von einer zunehmenden Nachfrage nach nachhaltigen Technologien.
Gleichzeitig verändert sich die Kundenlandschaft: Neben globalen Marken gewinnen lokale OEMs weiter an Bedeutung. Diese Diversifizierung ermöglicht es Autoneum, das Portfolio gezielt zu erweitern und die Abhängigkeit von anderen Regionen zu reduzieren. Durch die Nutzung unserer Innovationskompetenz, lokaler Partnerschaften sowie eines konsequenten Local‑for‑Local‑Ansatzes stellen wir unsere Präsenz bei allen relevanten inländischen OEMs in China sicher – mit weiterem Wachstumspotenzial auf globaler Ebene. Mit diesen strategischen Massnahmen ist Autoneum hervorragend positioniert, um neue Chancen zu nutzen und ein nachhaltiges, langfristiges Wachstum zu erzielen.
Wie reagieren wir auf regulatorische Anforderungen und kulturelle Unterschiede?
Kolf: Compliance und kulturelle Sensibilität sind ein wesentlicher Bestandteil unserer weltweiten Geschäftstätigkeit, so auch in Asien. Wir unterhalten ein robustes System zur Überwachung der Vorschriften, um die Einhaltung globaler und lokaler Standards insbesondere in den Bereichen Emissionen, Recyclingfähigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Unsere Teams arbeiten eng mit lokalen Behörden und Branchenverbänden zusammen, um regulatorische Änderungen frühzeitig zu erkennen und sich schnell daran anzupassen.
Als internationales Unternehmen anerkennen und respektieren wir regionale Kulturen und halten lokale Vorschriften strikt ein. Wir stehen in ständigem Austausch mit Branchenverbänden und Aufsichtsbehörden, um über neue Richtlinien auf dem Laufenden zu bleiben und sicherzustellen, dass unsere Geschäftstätigkeit allen geltenden Standards entspricht. Darüber hinaus haben wir verschiedene Kommunikationskanäle für den Austausch mit Mitarbeitenden, Kunden und Partnern eingerichtet. So können wir deren Perspektiven und Bedürfnisse besser verstehen und entsprechend handeln – immer im Sinne unseres Engagements für kulturellen Respekt.
Mit unserer Compliance-Exzellenz kombiniert mit kultureller Sensibilität schaffen wir Vertrauen bei unseren Partnern und Mitarbeitenden und fördern langfristige Beziehungen, was unsere strategischen Ziele unterstützt.
Welche Meilensteine haben wir im Jahr 2025 erreicht?
Kolf: Zu den wichtigsten Meilensteinen des vergangenen Jahres zählen die Übernahmen der Jiangsu Huanyu Group sowie von Chengdu Yiqi‑Sihuan, der Produktionsstart in unseren Werken in Pune und Changchun sowie der weitere Ausbau unseres Forschungs- und Entwicklungszentrums in Shanghai. Zudem führten wir drei wichtige Produktinnovationen – N‑Join1, Flexi‑Light PET und E‑Fiber Flame Shield – in den asiatischen Märkten ein. Finanziell leistete Asien einen wesentlichen Beitrag zum anorganischen Umsatzwachstum des Konzerns von 6,4 Prozent und unterstrich damit seine Rolle als zentraler Wachstumstreiber. Diese Erfolge bestätigen die Wirksamkeit unserer Strategie «Level Up» und schaffen die Grundlage für eine weitere Expansion.
Wie sieht der Fahrplan für die nächsten Jahre aus?
Spoelder: Das Geheimnis unseres Erfolges ist die konsequente Umsetzung unserer Unternehmensstrategie. Neben unseren grössten Märkten in Europa und Nordamerika ist Asien dabei nicht nur ein Schwerpunkt, sondern unser Sprungbrett in die Zukunft. Wir beschleunigen unser Wachstum durch gezielte Akquisitionen sowie durch eine leistungsfähige Forschung und Entwicklung mit dem Ziel, neue Massstäbe bei akustischen und thermischen Lösungen zu setzen. Nachhaltigkeit ist dabei kein Zusatz, sondern ein integraler Bestandteil unserer Strategie: Von Zero‑Landfill‑Initiativen bis hin zur verstärkten Nutzung von Recyclingmaterialien gestalten wir aktiv eine sauberere Zukunft. Gleichzeitig wirkt die Digitalisierung als zentraler Hebel – mit intelligenter Produktion und prädiktiver Analytik werden wir eine neues Effizienzniveau erreichen.
Innovationen sind Teil unserer DNA. Unser Forschungs- und Entwicklungszentrum in Asien soll sich innerhalb von drei Jahren zu einem globalen Innovationshub entwickeln und gemeinsam mit dem zentralen
Research & Technology Center in Winterthur massgeblich zur Entwicklung zukünftiger Innovationen beitragen. Durch die Verbindung von Innovation und Nachhaltigkeit hält Autoneum nicht nur Schritt – wir geben den Takt für globale Mobilitätstrends vor.